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Das Museum Perm - 36

Fragen über Fragen

Solikamsk Perm 36/3

Gedanken zum Besuch in Solikamsk

 

In Solikamsk besuchten wir an einem Abend auch ein kleines Museum, wo ich die Erwartung hatte, etwas über das Schicksal von Philipp Tolziner zu erfahren. Dort angekommen, saßen wir in einem großen Zimmer mit zahlreichen Fotos von Männern und Frauen nach Jahreszahlen geordnet.

Dass dies ausschließlich ehemalige verdienstvolle Mitarbeiter der Strafvollzugsanstalt waren, der Usol Wald- Besserungsanstalt, begriff ich erst später. 

Herr  S.W. Yerofeyew, zeigte uns Kopien von Dokumenten, dass Tolziner tatsächlich hier als Architekt  inhaftiert war. Natürlich wollten wir mehr erfahren, welches menschliche Schicksal die Gefangenen hier erlitten.

Aber Fehlanzeige.

 

 

Der Museumsführer machte Dienst nach Vorschrift. Die hier als Zwangsarbeiter Inhaftierten waren zu Recht hier. 

Von Juli 1985 bis heute ist er  Angestellter der Besserungsanstalt. Dieses System ist zu einem Teil seines Lebens geworden. Das kommt auch voller Stolz rüber.

 

Solikamsk Perm 36/1

 

Wir konnten nicht erwarten, dass auch nur ein Funke Unrechtsbewusstsein aufkommt. Deshalb also dieses Museum? Es dient als Rechtfertigung jahrzehntelanger Arbeit im Auftrag des Innenministeriums der UdSSR, dem Gedenken der „heroischen Militär- und Arbeitsvergangenheit“ der Mitarbeiter des Strafvollzugs?

Irgendwie befriedigt uns das nicht. Wir fragen uns, ob es nicht endlich an der Zeit ist, eine ehrliche Aufarbeitung der Geschichte der Hauptverwaltung von Besserungsanstalten der Russischen Föderation im Territorium Perm voran zu bringen? Wer Erinnerung einfordert, gerät in den Verdacht, dem Land schaden zu wollen? Dabei wollen wir doch nur wissen wie es war. Wird das Interesse an Häftlingserinnerungen in Russland zunehmend marginalisiert? Was war gut und richtig oder moralisch schlecht?
Worauf kann man stolz sein und woraus sollten wir lernen? 

 

Solikamsk Perm 36/2

 

Ein paar Meter vom GUFSIN-Museumsgebäude entfernt befindet sich ein Männerkloster, in dem früher Gefängniszellen errichtet wurden, von denen zwei speziell in der Dreifaltigkeitskirche rekonstruiert wurden.

Mit all diesen Fragen besuchten wir diesen Gedenkraum im ehemaligen Lager und entdeckten dort auf der Gedenktafel auch das Foto von Philipр Tolziener.

Unser Studium seines Schicksals wird nun mit Unterstützung der Projektteilnehmer in Perm fortgesetzt.

 

Heidrun Sedlacik

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