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Russland als Partner

Wir brauchen eine neue Ostpolitik: Russland als Partner
Platzeck - Buch
Von Matthias Platzeck. 
Russland und Deutschland haben sich entfremdet, eine neue Ost-West-Konfrontation ist ausgebrochen. Beziehung zwischen Deutschland und Russland auf der politischen Ebene derzeit rasant dem überwunden geglaubten Verhältnis in der Zeit des Kalten Krieges nähert und eine Gefahr für den Weltfrieden darstellt. Ein Zustand, dem die Zivilgesellschaft beider Länder heftig entgegentreten müsse.
Matthias Platzeck fordert daher nichts weniger als eine neue Ostpolitik: Wieder geht es darum, „Gräben zu überwinden, nicht zu vertiefen“ (Willy Brandt) – denn der Frieden ist in Gefahr wie nie zuvor. Das deutsch-russische Verhältnis gleicht einem Scherbenhaufen: Die Hoffnung auf Entspannung – mit dem Fall des Eisernen Vorhangs schon zum Greifen nah – hat sich 30 Jahre später zerschlagen, Russland ist wieder zum Feindbild geworden. 
»Das Urthema, mit dem das Schicksal Europas steht und fällt, ist die Frage der Sicherheit, denn Sicherheit gibt es nur mit  und nicht ohne Russland«, meint Platzeck im Rückblick auf seine politischen Vorbilder Willy Brandt, Egon Bahr und Manfred Stolpe. Matthias Platzeck, betonte zurecht, dass die Notwendigkeit eines Dialogs zwischen beiden Ländern, Russland und Deutschland, das Bemühen voraussetzt, die Beweggründe des anderen verstehen zu wollen. Hierzu aber bedarf es des Wissens vom anderen – seiner Geschichte und seiner Kultur, einschließlich der zum Mythos geronnenen Leid- und Siegeserfahrung des russischen Volkes im „Großen Vaterländischen Krieg“. Dazu zählte er sein eigenes Aufwachsen in der Nähe einer sowjetischen Garnison in Potsdam und die Hingabe mit der seine Russischlehrerin ihm die Kultur, Literatur und Kunst der Völker der Sowjetunion näherbrachte. Sehr emotional führt er aus,  dass die Belagerung und Aushungerung Leningrads (1 Mill. Tote), die unzähligen Massaker an der jüdischen Bevölkerung (1,5 Mill. Tote), für die Orte wie das ukrainische Babi Jar, das litauische Panerai als Beispiel stehen, die gezielte Hinrichtung und Aushungerung der russischen Kriegsgefangenen in den deutschen Lagern (3,3 Mill. Tote), die Verbrechen an der Zivilbevölkerung, ungezählte „Vergeltungsaktionen“ und die „Taktik der verbrannten Erde“ auf dem Rückzug der deutschen Armee, zutiefst sich in das historische Gedächtnis eingebrannt haben
Matthias Platzeck, den Russen und ihrem Land von Kindheit an verbunden, engagiert sich für einen Dialog auf Augenhöhe: Deutschland sollte Russland endlich als Partner akzeptieren und dessen Interessen ernst nehmen. Zweifellos werden die deutsch-russischen Beziehungen mit der neuen Bundesregierung nicht besser, vermutlich zunächst eher schlechter werden. Nichtsdestotrotz ist es richtig, in Zeiten wo der Petersburger Dialog auf Eis liegt, wenigstens mittels der „Potsdamer Begegnungen“ die Gesprächsfaden mit Russland aufrechtzuerhalten. Mit großer Spannung wird auf den „Potsdamer Begegnungen“ und der anschließenden Jahresversammlung des Deutsch-Russischen Forums, die Rede des ehemaligen SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz erwartet. Er wird, so hoffen die Teilnehmer des Dialogs, den Vorhang bezüglich der Koalitionsgespräche und möglicher Russland-Politik der Scholz-Regierung lüften.
Für diesen Perspektivwechsel muss man nicht mit allem einverstanden sein, was in Moskau passiert. Aber es hilft das Eingeständnis, dass auch der Westen in den vergangenen Jahrzehnten entscheidende Fehler begangen hat.

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