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Wir wenden uns gegen jede Form von Extremismus oder Hassrede!     

Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland Art.5,1)

"Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“

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Lesung zum Buch "Sergej Iwanowitsch Tulpanow"

Sergej Iwanowitsch Tulpanow - Stalins Macher und Widersacher

Wieder mal eine gelungene Veranstaltung

Gerade mal reichten die Sitzplätze im ZIM in der Rosa-Luxemburg-Strasse 50 am Mittwoch, den 10. Juni 2026 16.00 Uhr , als sich ein interessierter Kreis einfand, um einer Lesung zum Buch "Sergej Iwanowitsch Tulpanow - Stalins Macher und Widersacher" mit der Autorin Dr. Inge Pardon, Berlin zu lauschen, Als herzlich aufgenommenen Gast wurde Frau Alisa Tulpanowa-Bezold die Urenkelin von Sergej Iwanowitsch Tulpanow vom Publikum begrüsst.  
Lesung 1 Lesung 2 Lesung 3 Lesung 4 Lesung 5 LUPE
Fotos von der Buchlesung

Das Rätsel Tjulpanow

Bis heute ranken sich Legenden um seine Person, ist "Das Rätsel Tjulpanow" nicht vollständig gelöst. Für die einen Befreier und verehrter Freund, für die anderen Okkupant und verhasster Feind. Der "oberste Kulturoffizier" der SMAD war weit über die Grenzen Deutschlands und über das Jahr 1949 hinaus bekannt. Als 1945 die Rote Armee kam, wurden die Ostdeutschen entnazifiziert und umerzogen. Einer, der dafür verantwortlich war: Oberst Tulpanow. Sein Name geistert durch Memoiren und Geschichtsschreibung. Er gehörte zu den wichtigsten Nachkriegspolitikern in Deutschland und hat die Entwicklung bis 1990 maßgeblich beeinflusst.
Die von Dr. Inge Pardon und ihrem Mann Michael verfasste Biografie „Tulpanow. Stalins Macher und Widersacher" beleuchtet das Leben von Oberst Sergej Iwanowitsch Tulpanow (1901–1984), der als Chef der Informationsabteilung der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) die Kultur und Politik der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) entscheidend lenkte.
Die Autorin brachte für diese Arbeit eine besondere Perspektive mit: Sie kannte Tulpanow seit 1970 persönlich aus ihrer Studienzeit in Leningrad und forschte jahrzehntelang in russischen und deutschen Archiven, um sein Wirken lückenlos zu rekonstruieren.

Urenkelin Alisa berichtete über ihre persönlichen Erlebnisse

Viele persönliche Erlebnisse erfuhren die Zuhörerinnen und Zuhörer aus dem Munde von Alisa Tulpanowa-Bezold die in warmen Worten das Leben ihres Urgroßvaters beschrieb. Besonders seine Standhaftigkeit und sein naturverbundener Charakter waren für ihn kennzeichnend, um die Erfolge aber auch die Brüche in seinem Leben zu überstehen.
Die Autorin nahm die Lesung zum Anlass auf wichtige Erkenntnisse in der Biografie hinzuweisen: Tulpanow der zweisprachig aufwuchs, galt in der Öffentlichkeit oft nur als „Kulturoffizier“. Das Buch zeigt, dass er als Chef-Ideologe der SMAD einer der wichtigsten Weichensteller für die spätere Gründung der DDR war. Zum anderen initiierte er den geistig-moralischen Neuaufbau nach dem Krieg, ermöglichte Künstlern neue Arbeitsräume und brachte weltberühmte sowjetische Ensembles (wie das Alexandrow-Ensemble) nach Deutschland. Wegen seiner eigenwilligen, oft deutschlandfreundlichen Kulturpolitik geriet er ins Visier des sowjetischen Geheimdienstes. Und wurde von Stalin 1949 abrupt aus Berlin abberufen. Anfang der 1950 er Jahre belegte ihn die damalige Staatsmacht mit Berufsverbot und Exil. Nach seiner Abberufung erhielt er ein Reiseverbot. Er arbeitete als Wirtschaftswissenschaftler und Dozent in Leningrad und galt als profunder Kenner der modernen Ökonomie des Kapitalismus. Deutschen Boden durfte er erst wieder im Jahr 1965 betreten. Seine Wirkungen aber blieben. Zeitlebens bemühte er sich um ein vernünftiges Verhältnis zwischen Russen und Deutschen, er baute Brücken. Diese erste, umfassende Biografie Tulpanows (1901–1984) wirft ein Schlaglicht auf eine schwierige Zeit der deutschen Geschichte.
Inge Pardon berichtete auch über die vielen Gespräche und Dokumente aus Archiven die bis dato verschlossen oder unter strenger Geheimhaltung standen. Ihre historische Arbeitsmethode in der  Forschung zeichnete sich durch die Kombination von klassischer Archivarbeit und Oral History aus. Durch ihre frühere Funktion als Leiterin des Zentralen SED-Archivs besaß sie tiefe Einblicke in die Mechanismen der frühen DDR-Führung. Für die Biografie wertete das Ehepaar nicht nur geheime SMAD-Akten aus, sondern führte zwischen 2013 und 2017 systematische Interviews mit Zeitzeugen, Weggefährten und Angehörigen Tulpanows, um ein unzensiertes Charakterbild zu zeichnen. Dr. Dieter Öhmer und Günter Guttsche erhellten dem Publikum, wie es zum Kontakt und zur Idee dieser Buchlesung gekommen war. Viele Fragen würzten das Bild des gelungenen Nachmittags und die Eine oder der Andere nutzten die Gelegenheit das Buch zu erwerben und es von der Autorin signieren zu lassen.
Text Günter R. Guttsche
Fotos: privat

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