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Russischer Generalkonsul nicht willkommen?

Russische und weißrussische Diplomaten unerwünscht?

 

Uns erreichen Anfragen,ob diese schriftliche Aussage durch die Thüringer Landesregierung geteilt wird (https://www.buchenwald.de/175/)?

Antworten der Landesregierung dazu sind nicht bekannt!

 

Generalkonsul A. Dronov:

die Vertreter Russlands zum Gedenken am 10. April 2022  in Buchenwald nicht erwünscht!

Gruppe Buchenwald Buchenwaldausstellung1 Buchenwald 2 LUPE

Der Generalkonsul der Russischen Föderation in Leipzig Andrej Dronov teilte gestern Einzelheiten über die Entscheidung der Verwaltung des Museumskomplexes in Buchenwald den Vertretern von Russland und Weißrussland die Teilnahme an der Zeremonie 77.Jahrestages der Befreiung der Nationasozialistischen Konzentrationslagers. 

In einer Erklärung hat Generalkonsul Andrej Dronov sich erstaunt gezeigt und beklagt, dass in jedem Jahr bisher russische und weißrussische Diplomaten traditionell in Buchenwald Kränze und Blumen niederlegten. In der Annahme, die Entscheidung Museumskomplexes sei  mit den lokalen Behörden erfolgt, sollen sie in diesem Jahr von dieser traditionellen Möglichkeit  ausgeschlossen werden.
Weiter meinte Dronov, "Wir haben von der Verwaltung des Museumskomplexes einen Brief von Prof. Wagner erhalten, in dem gesagt wurde, dass aufgrund der Tatsache, dass "der von der Russischen Regierung und der Regierung der Republik Belarus entfesselte Krieg gegen die Ukraine drohe, das Gedächtnis der Überlebenden  von Buchenwald zu überschatten. Der Tod von Boris Romantschenko war aber Anlass, die  Haltung gegenüber der Anwesenheit offizieller Vertreter der russischen und belarussischen Regierung am Jahrestag der Befreiung noch einmal zu überdenken, denn spätestens nach diesem Vorfall wäre es für uns eine unerträgliche Vorstellung, am 77. Jahrestag der Lagerbefreiung offizielle Vertreter der russischen und der belarussischen Regierung in Buchenwald willkommen zu heißen" sagte Dronow dem Sender "Russland 24".
Anstelle von Diplomaten bei der Zeremonie organisiert wird der Auftritt von Vertretern der Zivilgesellschaften - die ukrainischen und Russischen. "Wir wissen nicht, wer diese Vertreter sind, aber ich habe eine Vorstellung davon, was dort gesagt wird", fügte der Generalkonsul hinzu.
Das KZ Buchenwald, gelegen in Thüringen, war eines der größten Nazi-Konzentrationslager in Deutschland. Es war befreit worden am 11. April 1945. Während des Zweiten Weltkriegs ermordeten die Nazis zerstört haben hier mehr als 56 tausend Menschen.
Gemäß Tagesschau Meldung https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-ukraine-dienstag-111.html vom 29.03.22 um 15.47 Uhr: heißt es :“Wir haben den konsularischen Vertretungen schriftlich mitgeteilt, dass sie bei den Veranstaltungen nicht willkommen sind", sagte Jens-Christian Wagner..“

An dieser Stelle veröffentlichen wir die Erklärung der Stiftung der Gedenkstätte Buchenwald - Dora

 

Zum Umgang mit offiziellen Vertreter:innen der Regierungen von Russland und Belarus

Erklärung der Stiftung

Im Rahmen der Vorstellung des diesjährigen Programms zum 77. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora hat Stiftungsdirektor Prof. Dr. Jens-Christian Wagner bekannt gegeben, dass offizielle Vertreter:innen der Regierungen von Russland und Belarus bei den Gedenkveranstaltungen in Buchenwald und Mittelbau-Dora nicht willkommen sind.
Diese Entscheidung haben wir uns nicht leicht gemacht. Wenn offizielle Regierungsvertreter aus Russland und Belarus bei den Gedenkveranstaltungen zum 77. Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald und des KZ Mittelbau-Dora nicht willkommen sind, heißt dies nicht, dass KZ-Opfer aus diesen Ländern nicht geehrt würden, ganz im Gegenteil: Sie werden eine zentrale Rolle spielen. Zudem werden wir explizit daran erinnern, dass die ehemalige Sowjetunion neben Polen die Hauptlast des deutschen Raub- und Vernichtungskrieges getragen hat und dass es maßgeblich auch der Roten Armee zu verdanken ist, dass Deutschland und Europa vom Nationalsozialismus befreit wurde.
Nach dem gewaltsamen Tod von Boris Romantschenko wäre es aber eine unerträgliche Vorstellung, am Jahrestag der Lagerbefreiung offizielle Vertreter der russischen und der belarussischen Regierung, die für seinen Tod verantwortlich sind, in Mittelbau-Dora und Buchenwald willkommen zu heißen. Wegen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine werden Hunderte weitere KZ-Überlebende existentiell bedroht, wir stehen mit mehreren in Kontakt. Wir haben deshalb den diplomatischen und konsularischen Vertretungen von Russland und von Belarus schriftlich mitgeteilt, dass sie bei den Veranstaltungen der Stiftung zum 77. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora nicht willkommen sind.
Um deutlich zu machen, dass wir an den Gedenktagen ALLER Opfer von Buchenwald und Mittelbau-Dora gedenken, insbesondere auch der ehemaligen russischen, belarussischen und ukrainischen Häftlinge, die zusammen etwa 30 Prozent aller Gefangenen ausmachten, werden wir selbst Kränze mit Kranzschleifen in den Landesfarben von Russland und Belarus niederlegen lassen. Die Kranzschleifen werden nach Möglichkeit von Vertreter:innen der Zivilgesellschaft aus Russland und Belarus gerichtet. In Buchenwald werden zudem eine junge Ukrainerin und eine junge Russin in ihren jeweiligen Sprachen jenen Part des Schwurs von Buchenwald verlesen, den Boris Romantschenko 2015 zum 70. Jahrestag auf dem Appellplatz vorgetragen hat und der mit dem Satz endet: "Der Aufbau einer Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel." Unser Vorgehen richtet sich also explizit nicht gegen Russland und Belarus und erst recht nicht gegen die Erinnerung an die KZ-Opfer aus diesen Ländern, sondern lediglich gegen die beiden Regierungen (bzw. ihre offiziellen Vertretungen), die derzeit schwerste Kriegsverbrechen begehen bzw. diese dulden und die zudem auch massiv gegen die Opposition im eigenen Land vorgehen.
Dieses Vorgehen haben wir mit Überlebenden des KZ Buchenwald und des KZ Mittelbau-Dora aus mehreren Ländern abgestimmt. Es findet ausdrücklich auch die Unterstützung des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos, dessen ukrainischer Vizepräsident den russischen Angriffen auf Charkiw zum Opfer gefallen ist.

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