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Das war Kaluga 2021

Die XVI. Konferenz der Städtepartner in Kaluga ist Geschichte.

Sie hat vom 28.-30.Juni 2021 stattgefunden.

Nun erwartet 2023 Essen, die Ruhrmetropole seine deutsch-russischen Gäste.

(Zwischenüberschriften vom Autor)

 

Um die Tage von Kaluga noch einmal in Erinnerung zu rufen, habe ich ein kurzes Video >>>   zusammengestellt welches hier eingepflegt ist. Durch die Turbulenzen der vergangenen Tage, nachdem die Russische Föderation von den deutschen Behörden zum Virusvariantengebiet erklärt wurde, nahm ich nur online als Gast dieses Ereignisses teil.  Am heimischen PC konnte man zwar einiges an Atmosphäre erleben, das direkte unmittelbare Erlebnis der Konferenz fand dadurch leider nicht statt.

Trotzdem haben die Live Übertragungen den Horizont für die weitere Entwicklung zivilgesellschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschland und Russland stark erweitert. Auf unserer Webseite kann dies alles mit vielfältigen Videobeiträgen verfolgt werden

Nichts und Niemand ist vergessen! 

Die Tatsache, dass der 80. Jahrestag des deutschen faschistischen Überfalls auf die Sowjetunion am 22.Juni 1941 eine wichtige Rolle in der Diskussion spielte wurde in den Abeitsgruppen, vorallem zur Erinnerungskultur breit diskutiert. Das Gedenken daran ist bis heute lebendig.

Dabei wurden viele Zahlen für Opfer und Zerstörungen genannt, aber wie gesagt, nüchterne gefühllose Zahlen, ohne dabei die vielen Schicksale nachempfinden zu können. Die Beteiligten erinnerten daran, dass die Rote Armee die Hauptlast des Krieges trug und auch den entscheidenden und grössten Anteil an der Niederringung des Nationalsozialismus leistete. Die russischer Seite beklagte, man vermisse in der EU und vorallem in Deutschland die Anerkennung dieser Leistungen und der erbrachten 27 Millionen Opfer. Denn wie viele Entbehrungen, welche Folgen standen dahinter, wie viele Talente kamen nicht zur Entfaltung? Was gehörte alles zu dem 1418 Tage dauernden Krieg? Für jeden, der mit Herz und Verstand an diese Ereignisse denkt, geht es nicht ohne Emotionen, ohne Nachdenken über Menschen, Leben und Werte. Die Ehrung am Grabmal des Unbekannen Soldaten in Kaluga war ein beredter Ausdruck dafür. Nichts und Niemand ist vergessen!  Das gilt ebenso heute für die nachfolgenden Generationen, die den Krieg und den Völkermord weder erlebt noch umfangreiche Kenntnisse darüber besitzen. Aus diesem Grunde darf Geschichte nicht der Alltagspolitik geopfert werden.

Visaerleichterungen zur Verbesserung der kommunalen und regionalen Partnerschaften

Die Online Schaltungen zu Diskussionspartnern in Deutschland und Russland bereicherten die Diskussion ebenso wie die Beiträge  der Experten aus zivilgesellschaftlichen Organisationen aus beiden Ländern. Auch die Ergebnisse der im Vorfeld der Konferenz stattgefundenen Jugendkonferenz wurden mit Interesse aufgenommen. Darüber berichtete der Geschäftsführer der Stiftung Deutsch Russischer Jugendaustausch, Thomas Hoffmann. Im Fokus der Runde standen die Themen Erinnerungskultur und der Umgang mit Nichtregierungsorganisationen sowie die Frage, ob wir eine gemeinsame Zukunft haben und inwiefern die Jugendarbeit und Städtepartnerschaften hierin eine Rolle und wenn ja, welche Rolle spielen.

Mein Eindruck  war jedoch, dass es immer noch beträchtliche Unterschiede zwischen der politischen Ausrichtung der Aussennbeziehungen beider Staaten, die teils kontrovers geführt werden und jener auf Freundschaft und gute Nachbarschaft ausgerichteten  partnerschaftlichen Beziehungen der Zivilgesellschaft, gibt.

So war es auch nicht verwunderlich, dass eine Reihe von Fragen der kommunalen und regionalen Partnerschaften zwar angesprochen, eine Lösung zum Beispiel der stets angesprochenen Visaangelegenheiten wie auch der weiteren vertraglichen Partnerschaften und dem Schüler- und Studierendenaustausch immer noch auf eine politische Lösung warten. Auf Dauer ist dieser Zustand nicht haltbar.

"Kein kalter Krieg mit Russland - Lasst uns Frieden stiften"

Mit Sorge und Empörung nehmen wir die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der Europäischen Union, Deutschland und Russland zur Kenntnis. Nach drei Jahrzehnten ist das Verhältnis EU-Russland an einem absoluten Tiefpunkt angelangt. Beide Seiten überschütten sich gegenseiig mit Sanktionen, Ausweisungen und Anschuldigungen. Das wird die Bürgergesellschaft auch in der Zukunft noch vor große Aufgaben stellen. Feindbilder aufzubauen ist der falsche Weg. Trotz aller Turbulenzen ist der beiderseitige Dialog die Lösung und nicht das Problem. Wer nicht mehr spricht, der setzt allenthalben auf Konfrontation. Diese unsägliche Entwicklung muss endlich aufhören!  

Das wurde mit aller elementaren Deutlichkeit im Aufruf "Lasst uns Frieden stiften" sichtbar.

Die Erkenntnis, dass Frieden in Europa nur gemeinsam mit Russland und nicht gegen Russland gelingt, muss sich in ganz Europa durchsetzen. Nicht die Panzertruppen oder Rüstungszahlen müssen wachsen, sondern die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen. Macht es, wie es die Menschen tun in Russland, Deutschland und Europa in der konkreten Arbeit in Städtepartnerschaften, im Jugendaustausch, in Wirtschafts- und Wissenschaftskooperationen. Lasst uns endlich Frieden stiften! Die Menschen in Europa warten schon lange darauf. 

In einigen Diskussionsbeiträgen war spürbar, dass die Teilnehmenden sich von der Konferenz mehr praktische Ergebnisse aus der Diskussion versprochen hatten und sich mehr Raum wünschten für konstruktive Ergebnisse, wie sie beim Schüler- und Jugendaustausch angesprochen wurden.

Alles in allem, als Fazit können wir konstatieren: 

* die Konferenz - war ein  wichtiger Bestandteil des Deutschlandjahres in Russland 2020/2021.

* die Zivilgesellschaft, Städtepartner und Schüleraustausch als haben sich als Brückenbauer in den Beziehungen bewährt, ohne oder gegen Russland gibt es keinen Frieden, 

* die Kommunalen und Regionalen Verbindungen müssen weiter gestärkt werden.  

* Der Dialog muss auf Augenhöhe und mit Respekt vor dem Anderen geführt werden, Russland ist unverrückbar unser Nachbar.

 

Die Konferenz wurde massgeblich auch durch die engagierte Mitarbeit des Vorsitzenden unserer Gesellschaft, Dr. Martin Kummer mitgestaltet.

Lieber Martin, dafür von allen Kolleginnen und Kollegen, die nicht in Kaluga dabeisein konnten, ein herzliches Dankeschön.

Text: Günter R.Guttsche

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