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Dokumentiert: Rede Putins 2001 vor dem Bundestag

Putins Bundestagsrede und was ist davon geblieben?

Vor nunmehr 20 Jahren hielt Wladimir Putin, der zuvor zum russichen Präsidenten gewählt wurde eine bemerkenswerte Rede vor den Abgeordneten des Deutschen Bundestages. Zum größten Teil in akzentfreiem Deutsch.

Was ist in den 20 Jahren seither geschehen, was hat sich verändert? Haben sich die Beziehungen zum Guten gewendet oder dümpeln sie als neues Feindbild in der geostrategischen Politik als Ausdruck eines neuen kalten Krieges dahin? 

Russlands Präsident hat schon 2001 im Deutschen Bundestag angeboten, die Potenziale Russlands mit denen der anderen Teile Europas zu vereinigen. Man muss sich die Rede Putins anhören oder nachlesen, um die heutige Politik und damit die Ursachen der Kriegsgefahr verstehen zu können. 

So sagte er unter anderem:  “Was die europäische Integration betrifft, so unterstützen wir nicht einfach nur diese Prozesse, sondern sehen sie mit Hoffnung. Wir tun das als ein Volk, das gute Lehren aus dem Kalten Krieg und aus der verderblichen Okkupationsideologie gezogen hat. Aber hier – so vermute ich – wäre es angebracht, hinzuzufügen: Auch Europa hat keinen Gewinn aus dieser Spaltung gezogen".

Putin formulierte jene Einsicht, die auch heute noch volle Gültigkeit besitzt, dass Russland noch keine vollkommene demokratische Gesellschaft und Marktwirtschaft ist. Er sprach davon, dass Russland erst am Anfang des Aufbaus einer demokratischen Gesellschaft sei. Würde man im Westen diese Einsicht ernst nehmen, dann würde man mit den Schwächen der russischen Gesellschaft nicht so arrogant umgehen und sie immer wieder benutzen, um die Konflikte zu verschärfen. So sagte er weiter: "Wir leben weiterhin im alten Wertesystem. Wir sprechen von einer Partnerschaft. In Wirklichkeit haben wir aber immer noch nicht gelernt, einander zu vertrauen.

Es macht uns große Sorgen, wenn mit verschärften Sanktionen wegen der Causa Nawalny und der geplanten Fertigstellung von Nord-Stream 2 unsere Beziehungen weiter vergiftet werden. Seit 2014 gibt es Sanktionen gegen Russland und viele glauben das damit Frieden, Demokratie und Respekt vor dem Rechtsstaat, sowie den Menschenrechten durchzusetzen sind.

Eine Reihe von deutschen Politikern weist  oberlehrerhaft mit dem Zeigefinger darauf hin, dass Demokratie und Menschenrechte in Russland verletzt werden und nutzt das zur Diffamierung, statt jene Kräfte zu stärken, die sich wie Putin der Schwächen bewusst sind und sie mindern wollen. Wollen diese Leute einen "regime change" in Russland herbeiführen? Es scheint vieles dafür zu sprechen und in der jüngeren Vergangenheit gibt es dazu Dutzende von Beispielen.

Russland und Deutschland haben sich entfremdet, eine neue Ost-West-Konfrontation ist ausgebrochen. Wir fordern daher nichts weniger als eine neue Ostpolitik: Wieder geht es darum, "Gräben zu überwinden, nicht zu vertiefen" (Willy Brandt) - denn der Frieden ist in Gefahr wie nie zuvor. 

Wir als Bürger, denen gutnachbarschaftliche Beziehungen auf der Basis von Verständigung, Respekt vor dem Anderen und kein Feindbildgeschrei am Herzen liegen, wollen uns einbringen in einen breiten Dialog zu politischen, sozialen und kulturellen Fragen die Europa und Russland wieder einander näherbringen.

 

Aus diesem Grund dokumentieren wir das Wortprotokoll der Rede Putins vom 25. September 2001 hier auf unserer Webseite >>> 

 

Günter R. Guttsche

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