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Wie umgehen mit der Botschaft von russischen Veteranen und Kriegskindern?

Bereits am 22. März 2022 hat die Botschaft der Russischen Föderation  eine "Botschaft der Veteranen und Kriegskinder des Großen Vaterländischen Krieges an das deutsche Volk und die deutsche Regierung" veröffentlich. 

Wir möchten in diesem Zusammenhang darauf verweisen, dass es noch keine offizielle Stellungnahme zum Inhalt dieser Botschaft gibt. Der Wortlaut dieses Schreibens wurde bisher von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen und ist leider nur in einigen "Fachgremien" diskutiert worden. 

 

Hier geht es zur genannten Botschaft >>>

 

Eine erste Reaktion darauf ist bisher nur von Prof. Dr, Jens-Christian Wagner, Leiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, in einer Email vom 25.03.2022 erfolgt. Diesen Wortlaut geben wir hier wieder:

 

"Betreff: Re: "Aufruf der russischen Veteranen des Großes Vaterländischen Krieges an das deutsche Volk"
Liebe alle,
das Schreiben ist wirklich unsäglich und bestärkt uns in einer Entscheidung, die wir unabhängig davon getroffen haben:
Eigentlich hatten wir in der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora zunächst vor, die diplomatischen Vertretungen von Russland und Belarus nicht zu den Gedenkveranstaltungen zu den Lagerbefreiungstagen im April einzuladen, aber auch nicht explizit auszuladen oder ihnen Hausverbot zu erteilen.
Der Tod von Boris Romantschenko war aber Anlass, unsere Haltung gegenüber der Anwesenheit offizieller Vertreter der russischen und belarussischen Regierung am Jahrestag der Befreiung noch einmal zu überdenken, denn spätestens nach diesem Vorfall wäre es für uns eine unerträgliche Vorstellung, am 77. Jahrestag der Lagerbefreiung offizielle Vertreter der russischen und der belarussischen Regierung in Buchenwald willkommen zu heißen.


Wir haben deshalb entschieden, die Botschaften beider Länder nicht nur nicht einzuladen, sondern ihnen schriftlich explizit mitzuteilen, dass Mitarbeiter:innen der beiden Botschaften am 10. und am 11. April 2022 in Buchenwald und Mittelbau-Dora nicht willkommen sind.

 

Um deutlich zu machen, dass wir an den beiden Tagen aller Opfer von Buchenwald und Mittelbau-Dora gedenken, insbesondere auch der ehemaligen russischen, belarussischen und ukrainischen Häftlinge, die zusammen etwa 30 Prozent aller Gefangenen ausmachten, werden wir selbst Kränze mit Kranzschleifen in den Landesfarben von Russland und Belarus (und der Ukraine, falls ihre diplomatischen Vertreter nicht anreisen sollten) niederlegen lassen.

Die Kranzschleifen werden nach Möglichkeit von Vertreter:innen der Zivilgesellschaft aus Russland und Belarus gerichtet.

 

In Buchenwald werden zudem eine junge Ukrainerin und eine junge Russin in ihren jeweiligen Sprachen jenen Part des Schwurs von Buchenwald verlesen, den Boris Romantschenko 2015 zum 70. Jahrestag auf dem Appellplatz vorgetragen hat.


Sollte trotz unseres Schreibens jemand von den beiden Botschaften erscheinen, werden wir ihn wohl ignorieren. Den Gefallen, ihrer Propaganda Bilder zu liefern, wie sie von der Polizei abgeführt werden, werden wir ihnen nicht tun.

 

Wie ich aus anderen Gedenkstätten höre, wird dort ähnlich verfahren. Beste Grüße
Jens-Christian Wagner

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